HEILIGER PATRICIUS
Entdecken Sie Auszüge aus der umfassenden Befunduntersuchung und den Prozess der Fassungsrekonstruktion des Heiligen Patricius im Detail.
Nachher: Fassungsrekonstruktion nach Befund, 2025
Vorher: Überfassung der 1960er Jahre
DIE FEIERLICHE ENTHÜLLUNG
Am 7. Dezember 2025 fand in der Pfarrkirche St. Patricius der erste feierliche Höhepunkt eines außergewöhnlichen Restaurierungsprojekts statt: die Enthüllung des in seiner historischen Fassung vollständig rekonstruierten Heiligen Patricius. Nach Monaten intensiver Forschung, präziser Befundauswertung und handwerklicher Meisterarbeit kehrte die Figur sichtbar und in ihrer ursprünglichen Gestalt in den Kirchenraum zurück.
Die Enthüllung war mehr als die Präsentation eines restaurierten Kunstwerks. Sie markierte die Rückkehr eines zentralen geistlichen und identitätsstiftenden Elements der Pfarrkirche. In einem festlichen Gottesdienst, getragen von großer Anteilnahme der Gemeinde, wurde der Heilige Patricius erstmals seit Jahrzehnten wieder in jener Würde, Farbigkeit und Präsenz gezeigt, die Anton Leins ihm 1906 verliehen hatte.
Die folgenden Bilder halten diesen besonderen Moment fest. Sie zeigen den Augenblick der Enthüllung, die gespannte Stille im Kirchenraum und die erste Begegnung der Gemeinde mit der wiedergewonnenen Gestalt ihres Kirchenpatrons. Jede Aufnahme dokumentiert einen Augenblick, in dem Geschichte, Glaube und handwerkliche Meisterschaft auf eindrucksvolle Weise zusammenkamen.
Foto: Ruf Photographie, Villingen
Foto: Ruf Photographie, Villingen
Foto: Ruf Photographie, Villingen
Foto: Ruf Photographie, Villingen
Foto: Ruf Photographie, Villingen
Foto: Ruf Photographie, Villingen
Foto: Ruf Photographie, Villingen
Foto: Ruf Photographie, Villingen
Foto: Ruf Photographie, Villingen
Foto: Ruf Photographie, Villingen
Foto: Ruf Photographie, Villingen
Foto: Ruf Photographie, Villingen
Foto: Ruf Photographie, Villingen
Foto: Ruf Photographie, Villingen
Foto: Ruf Photographie, Villingen
Foto: Ruf Photographie, Villingen
DAS ENDERGEBNIS
Nach Monaten intensiver Forschung, präziser Befundauswertung und handwerklicher Meisterarbeit ist die Fassungsrekonstruktion des Heiligen Patricius vollendet. Auf Grundlage der umfassenden Befunduntersuchung konnte die historische Fassung von 1906 Schritt für Schritt und streng am Original orientiert wiederaufgebaut werden.
Das Ergebnis zeigt die außergewöhnliche Qualität der ursprünglichen Arbeit von Anton Leins ebenso wie die hohe kunsthandwerkliche Präzision der Rekonstruktion durch Restaurator Hermann Petersohn. Farbe, Gold und Ornamentik greifen wieder ineinander und verleihen der Figur jene Präsenz, Würde und Strahlkraft, die über Jahrzehnte verloren waren.
Die folgenden Detailaufnahmen geben Einblick in diese wiedergewonnene Pracht. Sie zeigen das Endergebnis in all seinen Facetten – von der fein modellierten Inkarnatfassung über die kostbaren Gold- und Silberarbeiten bis hin zur komplexen Ornamentmalerei der Gewänder. Jede Aufnahme steht für einen behutsam zurückgewonnenen Teil der ursprünglichen Gestalt und macht die Qualität dieser Rekonstruktion unmittelbar erfahrbar.
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
Foto: Steffen Jahn, Stuttgart
DIE FASSUNGSREKONSTRUKTION DES HEILIGEN PATRICIUS
Nach Abschluss der umfassenden Befunduntersuchung, die Aufbau, Materialien und Farbigkeit der Originalfassung von 1906 eindeutig belegte, konnte die Fassungsrekonstruktion des Heiligen Patricius auf gesicherter Grundlage beginnen. Im Restaurierungsatelier von Hermann Petersohn wurde die historische Fassung Schritt für Schritt und streng am Befund orientiert wiederaufgebaut.
Die folgenden Abbildungen geben Einblick in ausgewählte Arbeitsphasen dieser Rekonstruktion und zeigen den behutsamen Wiederaufbau der ursprünglichen Farbstruktur.
1. BEGINN DER FASSUNGSREKONSTRUKTION
Nach Abschluss der umfassenden Befunduntersuchung beginnt in der Werkstatt von Restaurator Hermann Petersohn der eigentliche Wiederaufbau der historischen Fassung des Heiligen Patricius. Die hier gezeigten Detailaufnahmen dokumentieren diesen entscheidenden ersten Arbeitsschritt.
Sichtbar wird der farbliche Grundaufbau der Rekonstruktion: Die Albe ist wieder in warmem Weiß gefasst, das Chorhemd zeigt erneut seine charakteristische blaue Grundfarbe, und das Pluviale erhält sein ursprüngliches, sattes Krapprot. Erste Vergoldungen an der Mantelschließe markieren bereits die spätere ornamentale Ausarbeitung.
Diese Phase ist das Fundament der gesamten Restaurierung: Hier wird die ursprüngliche Farbigkeit wieder angelegt, die Proportionen geklärt und der Charakter der Figur neu gefasst – präzise, zurückhaltend und streng am historischen Befund orientiert.
Noch fehlen Ornamente, Vergoldungen und feine Details. Doch bereits jetzt beginnt der Heilige Patricius, seine ursprüngliche Gestalt und Präsenz zurückzugewinnen.
Aufnahme: Zwischenzustand, rekonstruierte Farbfassung
Aufnahme: Zwischenzustand, Detail rekonstruierte Farbfassung
Aufnahme: Zwischenzustand, Pluviale
Aufnahme: Zwischenzustand, Detail, Pluviale mit freigelegtem Ornamenstreifen
Aufnahme: Zwischenzustand, Fassungsrekonstruktion mit Pontifikalschuh mit Goldornamenten
Aufnahme: Zwischenzustand,Detail, Chormantel rote Grundierung, Pallium mit Untersuchungsschnitt
2. REKONSTRUKTION DER MITRA
Die Wiederherstellung der Mitra gehört zu den sensibelsten und zugleich kunstvollsten Arbeitsschritten der Fassungsrekonstruktion. An ihr zeigt sich die hohe Präzision, mit der Restaurator Hermann Petersohn vorgeht.
Bevor die Arbeiten an der Figur selbst beginnen, werden alle Ornamente zunächst auf eigens angelegten Musterplatten erprobt. Hier rekonstruiert Petersohn die freigelegten Ornamente, testet Goldtöne, Lüstereffekte, Farbnuancen sowie den Schmuckperlen- und Edelsteinbesatz. Ziel ist es, die historische Linienführung, Materialwirkung und Genauigkeit der Originalfassung von 1906 exakt nachzuvollziehen, bevor sie auf die Mitra übertragen wird.
Die Werkstattaufnahmen zeigen bereits den beginnenden Wiederaufbau der Ornamentik: fein gezogene Goldlinien, präzise gesetzte Schmuckperlen, klare Begleitstreifen und eine ausgewogene Symmetrie, wie sie typisch für die Fassungen von Anton Leins ist. Die Mitra beginnt damit sichtbar, ihren ursprünglichen Charakter zurückzugewinnen.
Besonders bedeutend ist auch die wieder sichtbar werdende Symbolik: Die Ornamentik ist in Dreiergruppen gegliedert und verweist auf das dreiblättrige Kleeblatt, mit dem der Heilige Patricius die Dreifaltigkeit erklärte – ein bewusst gesetztes ikonographisches Motiv, das nun erneut erkennbar wird.
Parallel dazu ist bereits die erste Grundierungsschicht des Inkarnats angelegt, die später das fein ausgearbeitete Gesicht tragen wird. Damit beginnt auch hier der schrittweise Wiederaufbau der ursprünglichen Ausdruckskraft der Figur.
Im nächsten Abschnitt wird der Blick auf das Pallium mit seinen feinen Silber- und Goldmustern sowie auf einen Zwischenstand der rekonstruierten Dalmatika gerichtet, die bereits erahnen lassen, wie prachtvoll die Figur in ihrer Gesamtheit wieder erscheinen wird.
Aufnahme: Musterplatte für die Mitra
Aufnahme: Zwischenzustand, Mitra, Detail vergoldetes Rankenwerk
Aufnahme: Zwischenzustand, Mitra
3. REKONSTRUKTION DES PALLIUMS UND DER DALMATIKA
Der aktuelle Werkstattstand zeigt eindrucksvoll, wie weit die Rekonstruktion der historischen Fassung inzwischen fortgeschritten ist. Schicht für Schicht wird die ursprüngliche Gestaltung des Heiligen Patricius wieder sichtbar.
An der Mitra ist die Ornamentik bereits grundlegend angelegt. Erste Vergoldungen sind ausgeführt, und die charakteristische Dreierornamentik – das symbolische Kleeblattmotiv – tritt wieder klar hervor. Schon in diesem frühen Stadium lässt sich die einstige Strahlkraft der bischöflichen Kopfbedeckung erkennen.
Auch das Pallium befindet sich im fortgeschrittenen Aufbau. Die feinen, ursprünglich in Silber ausgeführten Streifen wurden auf Grundlage der Befunduntersuchung erneut angelegt und in Weißgold ausgeführt, um den Eindruck eines durchwobenen Stoffes plastisch zu verstärken. Die Randzonen sind vorbereitet und teilweise bereits vergoldet. Das Zusammenspiel von Rot, Hellviolett, Gold und Silber verdeutlicht die hohe gestalterische Qualität dieses Gewandteils.
Die Dalmatika ist anhand der freigelegten Befunde und der rekonstruierten Muster wieder aufgebaut. Die feine Ornamentmalerei, die durch die Überfassung der 1960er-Jahre vollständig verloren gegangen war, wird nun erneut sichtbar.
Mit dem fortschreitenden Aufbau der Mitra, des Palliums, der Dalmatika sowie der farblichen Grundstruktur von Chormantel und Albe gewinnt die Figur Schritt für Schritt ihre ursprüngliche Präsenz zurück. Die historische Pracht der Fassung tritt zunehmend klar hervor, während der abschließende Feinausbau näher rückt.
Im nächsten Abschnitt wird die aufwendige Rekonstruktion der Chormantelbordüre im Mittelpunkt stehen, die einen der arbeitsintensivsten und prägendsten Teile der Gesamtfassung darstellt.
Aufnahme: Zwischenzustand
Aufnahme: Zwischenzustand, Pallium, Rekonstruktion der Silberstreifen
Aufnahme: Zwischenzustand, Tunika, Rekonstruktion der blauen Farbfassung mit Untersuchungsschnitt
Aufnahme: Zwischenzustand, Tunika mit rekonstruiertem Ornamentstreifen
Aufnahme: Zwischenzustand, Pallium, Detail, Rekonstruktion der Silberstreifenfassung
Aufnahme: Zwischenzustand, Pallium, Detail, Rekonstruktion der Silberstreifen mit Weißgold
Aufnahme: Zwischenzustand, Gesamtansicht
4. REKONSTRUKTION DER CHORMANTEL-ORNAMENTIK
Ein besonderer Werkstatteinblick zeigt einen der anspruchsvollsten Arbeitsschritte der gesamten Fassungsrekonstruktion: die Wiederherstellung und Vergoldung der hochkomplexen Ornamentik des Chormantels.
Das Ornament ist kein rein dekoratives Element, sondern ein grafisch klar aufgebautes, verschlungenes Muster, das sich über den geschnitzten Faltenwurf des Gewandes hinweg fortsetzt. Damit die Linienführung korrekt verläuft, müssen die plastischen Formen des Mantels exakt berücksichtigt werden. Jede Wölbung, jede Falte und jede perspektivische Verschiebung wird in die Planung einbezogen.
Bereits die Vorzeichnung stellt eine besondere Herausforderung dar. Mit weißem Stift wird das Ornament direkt auf die plastische Oberfläche des Chormantels übertragen. Der scheinbar „fallende Stoff“ verlangt dabei höchste Konzentration und gestalterische Sicherheit, damit sich das Muster später ohne Brüche um den gesamten Saum fortsetzen lässt.
Die Rekonstruktion erfolgt strikt auf Grundlage der freigelegten Originalfassung. Die neu ausgeführten Ornamente schließen direkt und präzise an die historischen Befunde an. Es handelt sich dabei nicht um eine freie Interpretation, sondern um die exakte Wiederholung der Gestaltung, wie sie Anton Leins im Jahr 1906 ausgeführt hat.
Die Vergoldung wird millimetergenau aufgetragen, das Ornament folgt dem Faltenwurf ohne Unterbrechung. Dieser Arbeitsstand dokumentiert eindrucksvoll die hohe Kunst der historischen Fassmalerei und lässt bereits erahnen, welche Wirkung die vollständig rekonstruierte Fassung entfalten wird.
Auch wenn es sich noch um einen Zwischenstand handelt, zeigt dieser Abschnitt der Arbeiten bereits deutlich die außergewöhnliche Qualität und Präzision, mit der die Rekonstruktion umgesetzt wird.
Aufnahme: Zwischenzustand, Detail, Chormantel, Vorzeichnung für die Bordüre
Aufnahme: Zwischenzustand, Chormantel, Detail, Rekonstruktion der Bordüre, im unteren Bereich freigelegtes Ornamentteil
Aufnahme: Zwischenzustand, Pluviale, Detail, Rekonstruktion der Bordüre, Vorzeichnung
Aufnahme: Zwischenzustand, Chormantel, Vergoldung der Bordüre
Aufnahme: Zwischenzustand, Chormentelbordüre
Aufnahme: Zwischenzustand, Chormantel, Bordüre vergoldet
Aufnahme: Chormantel, Detail, vergoldete Bordüre
Aufnahme: Zwischenzustand, Gesamtansicht
DIE BEFUNDUNG DES HEILIGEN PATRICIUS
Die Befunduntersuchung des Heiligen Patricius wurde durchgeführt. Entstanden ist ein mehr als 57-seitiger Bericht, der einen genauen Überblick darüber gibt, wie die historische Originalfassung von Anton Leins seinerzeit 1906 meisterhaft ausgeführt worden ist.
Durch diese detaillierten Erkenntnisse ist es möglich, die Fassung des Heiligen Patricius exakt und identisch gemäß der historischen Originalfassung zu rekonstruieren.
Nachfolgend werden Auszüge aus dem umfassenden Bericht der Befunduntersuchung veröffentlicht.
1.1 ZUSTAND HOLZSUBSTANZ
Der Werkholzblock besteht aus mehreren zusammengeleimten und gedübelten Holzblöcken, vermutlich handelt es sich um Zirbelholz. Eine Holzuntersuchung zur Bestimmung der Holzart wurde nicht ausgeführt. Das Attribut ein Kleeblatt ist notdürftig geklebt. An der Schlange fehlt die Zunge.
An der Plinthe ist auf der linken Seite ein Stück verloren gegangen. Im unteren Bereich konnten klaffende Risse festgestellt werden. An der Holzsubstanz liegt holzzerstörender Insektenbefall vor.
Aufnahme: 2025, Unterseite, zusammengeleimte Werkblöcke mit Einspannloch für die Werkbank
Aufnahme: 2025, Vorzustand, Detail, Sockel, fehlendes Teil
Aufnahme: 2023, Vorzustand, Detail, Attribut, Schlange, fehlendes Teil Zunge
1.2 ZUSTAND FASSUNGSOBERFLÄCHE
2023 konnte folgender Zustand augenscheinlich bei einer rudimentären Untersuchung dokumentiert werden: Die originale Fassung wurde dem Zeitgeschmack entsprechend mit einer Kirchenmalerfassung übermalt. Nach einer weißgrauen Grundierung (Ölfarbe, Ölgrundierung) erfolgte die farbige Bemalung mit Ölvergoldung. Sie ist nicht sehr qualitätsvoll ausgeführt worden. Im Streiflicht konnten an der Fassungsoberfläche die übermalten Goldornamente festgestellt werden. Inwieweit unter der Überfassung die originale Polychromie noch erhalten ist wurde nicht untersucht.
Es kann aber davon ausgegangen werden, dass durch die Vorarbeiten für die Überfassung die originale Polychromie angeschliffen und dabei beschädigt und reduziert wurde. Die Fassungsoberfläche ist stark verschmutzt und eingestaubt. Die Schmutzschichten sind durch Ruß (Kerzen) gebunden. An den Unterseiten konnten nicht überfasste, originale Fassungsreste festgestellt und dokumentiert werden.
Aufnahme: 2025, Detail, Chormantel links, originale Ornamentmalerei durch Schleifspuren beschädigt
Aufnahme: 2025, Detail, Chormantel Außenseite unten rechts, originale Fassung
Aufnahme: 2025, Detail, Chormantel Innenfutter unten links, originale Fassung
Aufnahme: Streiflichtaufnahme 2023, Detail, Dalmatika, erkennbar sind Musterungen unter der Überfassung
Aufnahme: Streiflichtaufnahme 2023, Detail, Dalmatika, erkennbar sind Musterungen unter der Überfassung
2. FASSUNGSUNTERSUCHUNG
Nachfolgend finden Sie einen Auszug der umfassenden Untersuchungsschnitte.
Insgesamt wurden 16 Untersuchungsschnitte durchgeführt, um ein detailliertes Bild über die Originalfassung von Anton Leins von 1906 zu gewinnen.
POSITION 1
Mitra, Außenfutter mit Borte
Unter der Überfassung des 20. Jahrhunderts konnte die originale Fassung im Untersuchungsschnitt freigelegt werden. Die Überfassung des 20. Jahrhunderts besteht aus einem lasierend aufgetragenen Krapprot sowie einer Ölvergoldung auf gelbem Anlegeöl. Als Grundierung wurde 1963 eine hellgraue Grundierung verwendet.
Die Originalfassung zeigt eine aufwendige Mitraborte - vermutlich Leimvergoldung (?) mit Schmuckperlen und beigeweißen Begleitstreifen.
Das Außenfutter der Mitra wurde in Beigeweiß mit goldener Ornamentmalerei ausgeführt.
POSITION 1a
Mitra, Schmuckborte, rechts unten mit Edelsteinbesatz
Die Überfassung des 20. Jahrhunderts besteht aus einer Ölvergoldung auf gelbem Anlegeöl. Als Grundierung wurde 1963 eine hellgraue Grundierung verwendet.
Die Originalfassung zeigt eine aufwendige Mitraborte - vermutlich Leimvergoldung (?) auf hellocker. Die Schmucksteine sind krapprot gelüstert und werden von beigeweißen Begleitstreifen eingefasst.
POSITION 1b
Spitze der Mitra, Schmuckborte
Die Überfassung des 20. Jahrhunderts besteht aus roter Farbe, die stellenweise lasierend aufgetragen wurde. 1963 wurde eine Ölvergoldung auf gelbem Anlegeöl umgesetzt und als Grundierung eine hellgraue Grundierung verwendet.
Die Originalfassung der Mitraborte - vermutlich Leimvergoldung (?) auf hellocker. Das Mitraaußenfutter wurde ursprünglich in Beigeweiß gefasst.
POSITION 1d
Mitra, Rückseite
Die Überfassung des 20. Jahrhunderts besteht aus roter Farbe, die lasierend aufgetragen wurde sowie einer Ölvergoldung auf gelbem Anlegeöl. Als Grundierung wurde 1963 eine hellgraue Grundierung verwendet.
Die Originalfassung zeigt ein beigeweißes Außenfutter sowie aufwendige vergoldete Ornamentmalerei.
POSITION 1e
Mitra, Pendilienbänder
Die Überfassung des 20. Jahrhunderts besteht aus einer Ölvergoldung auf gelbem Anlegeöl. Als Grundierung wurde 1963 eine hellgraue Grundierung verwendet.
Die Originalfassung zeigt, dass die Bänder ursprünglich in Beigeweiß mit goldenen Begleitstreifen gefasst waren.
POSITION 1f
Mitra, Innenfutter
Die Überfassung des 20. Jahrhunderts besteht aus roter Farbe, die lasierend aufgetragen wurde. Als Grundierung wurde eine hellgraue Grundierung verwendet.
Die Originalfassung zeigt ein hellviolettes Innenfutter, mit Spuren von nachgedunkelten Überzügen.
POSITION 2
Inkarnat
Die Überfassung des 20. Jahrhunderts zeigt einen hellen bleichen Inkarnatston. Dies schmälert den Ausdruck der Figur erheblich. Als Grundierung wurde 1963 eine hellgraue Grundierung verwendet.
Die Originalfassung zeigt einen warmen Inkarnatston, der lebensecht ausgestaltet wurde.
POSITION 3
Haare
Die Überfassung des 20. Jahrhunderts besteht aus einer dunkelbraunen Überfassung, die stellenweise lasierend aufgetragen wurde. Höhungen wurden wieder abgewischt. Hierbei wurde keine Grundierung verwendet.
Die Originalfassung zeigt eine grauweiße Fassung auf hellbrauner Unterlage.
POSITION 6
Pallium, Innenmuster
Die Überfassung des 20. Jahrhunderts besteht aus einer hellgrauen Grundierung, die sehr dünn aufgetragen wurde. Anschließend wurde rote Farbe aufgetragen.
Die Originalfassung zeigt eine hellviolette Fassung mit Streifen, die in Blattsilber auf farblosem Anlegeöl aufgetragen wurden.
POSITION 6a
Pallium, Innenmuster mit Rand und Kreis
Die Überfassung des 20. Jahrhunderts besteht aus einer hellgrauen Grundierung, die sehr dünn aufgetragen wurde. Anschließend wurde rote Farbe aufgetragen.
Die Originalfassung zeigt eine hellviolette Fassung mit Streifen, die in Blattsilber auf farblosem Anlegeöl aufgetragen wurden. Zusätzlich wurden auf der Originalfassung goldene Begleitstreifen am Rand kunstvoll ausgeführt.
POSITION 7
Handschuhe
Die Überfassung des 20. Jahrhunderts besteht aus einer hellgrauen Grundierung, die sehr dick aufgetragen wurde. Anschließend wurde kühles Weiß aufgetragen.
Die Originalfassung zeigt eine Fassung in warmem Weiß. Die Kreuze auf den Handschuhen wurden ursprünglich mit einer Ölvergoldung umgesetzt.
POSITION 8c
Dalmatika, Borte unten
Die ursprüngliche aufwendige Dalmatik wurde in der Überfassung des 20. Jahrhunderts in Weiß überstrichen.
Die Originalfassung zeigt eine aufwendige und feine Ornamentmalerei in Ölgold auf einem blauen Untergrund. Um ein Eindruck von der Gesamtheit eines Ornamentelements zu erhalten und dabei aber nicht zu viel Originalfassung freizulegen, wurden rechts und links des Untersuchungsschnitts eine Rekonstruktion zur Ansicht auf Papier nachgezeichnet und angelegt.
POSITION 9
Albe
Die Überfassung des 20. Jahrhunderts besteht aus einem einfachen Blau mit einer hellgrauen Grundierung.
Die Originalfassung zeigt eine warmweiße Fassung mit einem schmalen und einem breiten Goldstreifen in vermutlich Ölgoldtechnik. Diese Fassung von Leinenstoffen ist sehr typisch für Anton Leins. Leinenstoffe wurden von Leins hauptsächlich in warmweißer Fassung mit den besagten Goldstreifen gefasst. Dies ist auch an anderen noch erhaltenen Fassungen deutlich abzulesen.
POSITION 10
Pluviale (Chormantel)
Die Überfassung des 20. Jahrhunderts besteht aus einer hellgrauen Grundierung, auf welche anschließend rote Farbe flächig aufgetragen wurde.
Die Originalfassung zeigt eine enorm aufwendige und kunstvoll gestaltete Bordüre in Ölvergoldung umgesetzt. Das Pluviale war ursprünglich in Krapprot ausgefasst.
POSITION 11
Pluviale (Chormantel), Innenfutter
Die kunstvoll und scharf gefassten Goldstreifen wurden in der Überfassung des 20. Jahrhunderts in Blau überfasst. Die hellgraue Grundierung wurde sehr dünn aufgetragen.
Die Originalfassung des Innenfutters des Pluviale war gänzlich anders: Das Innenfutter war in Krapprot ausgefasst und mit einem schmalen sowie einem breiten Goldstreifen in Ölvergoldung ausgeführt worden.
POSITION 12
Pontifikalschuhe
Die Pontifikalschuhe wurden in der Überfassung des 20. Jahrhunderts in einfachem Schwarz überfasst. Die hellgraue Grundierung wurde dabei sehr dünn aufgetragen.
Die Originalfassung zeigt die hohe Kunstfertigkeit der Originalfassung, die Leins seinerzeit an den Tag legte: Die Pontifikalschuhe waren in Violett gefasst und besaßen eine aufwendige Ornamentmalerei mit einer Ölvergoldung.
POSITION 13
Bischofskrümme
Die Überfassung des 20. Jahrhunderts besteht aus Ölgold.
Die Originalfassung war im Ursprung als Mattvergoldung und Mattsilber - vermutlich in Leimtechnik - ausgeführt.
3. RESÜMEE DER FASSUNGSUNTERSUCHUNG
Die originale Polychromie wurde in den sechziger Jahren im Zuge der Kirchenrenovierung 1963-1965 unglücklich überfasst. Die ehemals 1906 aufwendig hergestellte Fassung wurde mit gedämpften Farben übermalt (Zeitgeschmack der siebziger Jahre). In den sechziger/siebziger Jahren herrschte die Ästhetik von reduzierter Farbigkeit, gedämpften Fassungen ohne Musterborten und Metallauflagen vor. An den Untersuchungsschnitten konnte festgestellt werden, dass in den Bereichen der Stratigraphie die Originalfassung relativ gut erhalten ist.
Durch die Überfassung der neugotischen Skulptur wurde die Aussage der Neugotik stark verändert und reduziert. Ehemals in Mattsilber und Mattgold ausgeführte Schmuckborten wurden überstrichen. Es wurde damit eine undifferenzierte, einheitliche Farboberfläche ohne Akzente erzeugt. Das Inkarnat wurde bleich und hell übermalt, der Gesichtsausdruck wurde dadurch leer und ausdruckslos. Die Ist-Fassung ist dadurch zu einem negativen Beispiel von Kirchenmalerarbeiten aus den sechziger Jahren geworden.
Die originale Fassung von 1906 wurde auf einem dünnen, proteinhaltigen Kreidegrund ausgeführt. Anschließend wurden die Gewandteile farbig gefasst. Die Farbe wurde mehrschichtig aufgetragen und stellenweise lasiert. Als Bindemittel wurde vermutlich eine Kaseinemulsion oder stark verdünnter Shelllack verwendet. Es erfolgte dann die Vergoldung der Schmuckstreifen an der Mitra und der Chormantelschließe. Als Bindemittel für die Mattvergoldung wurde vermutlich ein proteinhaltiges Material benutzt. Die mattvergoldeten Edelsteine an der Mitra und der Mantelschließe wurden mit grüner und roter Farbe gelüstert. Vermutlich wurden auch die Bischofskrümme, die Chormantelschließe und das Attribut die Schlange in der gleichen Technik mit Mattsilber bzw. Mattgold gefasst. Auf die Mattvergoldung wurde vermutlich ein jetzt stark vergilbter Überzug aufgetragen. Es erfolgte dann die Ausarbeitung der Schmuckbordüren. Für die Herstellung wurden die Ornamente mit Kohlepapier aufgepaust und anschließend mit Anlegeöl aufwendigst ausgemalt und mit Blattgold bzw. mit Blattsilber belegt. Auch die Musterung der Pontifikalschuhe wurde in der gleichen Technik ausgeführt. Zuletzt wurden das Inkarnat und die Haare meisterhaft gefasst.
Um sich ein Bild von der ursprünglichen Schönheit der aufwendigen originalen Fassung von 1906 machen zu können, wurde im Zuge der Befunduntersuchung diese Fassungsrekonstruktion digital mit großem Aufwand erstellt. Durch die vorliegende Befunduntersuchung kann belegt werden, dass die Originalfassung von 1906 wie in der Rekonstruktion dargestellt ausgeführt war.
Zu sehen ist ein in sich stimmiges Gesamtbild und ein bemerkenswertes Zeugnis der neugotischen Kunst um 1900 aus der "Werkstätte für kirchliche Kunst" von Anton Leins aus Horb am Neckar.
EIN BESONDERER DANK
Die Befunduntersuchung sowie die Fassungsrekonstruktion des Heiligen Patricius wurde von Restaurator Hermann Petersohn aus Göppingen durchgeführt. Ein riesiges Danke an die herausragende und meisterhafte Arbeit an unserem Kirchenpatron.